Manfred PIELMEIER

 

AUSLÄNDER IN MÜNCHEN: NICHT NUR PROBLEMFÄLLE

 

Die Bundesrepublik Deutschland hat viele ausländische Gastarbeiter in den verschiedenen Branchen der Arbeitswelt beschäftigt. Die archenoah schaute und schaut sich in dieser Hinsicht in München um, versucht durch Interviews die Gründe zu erfahren, warum solche Menschen in der Bundesrepublik (in München) arbeiten, wie sie in Bezug auf Anforderungen, Arbeitsklima und Mitarbeiter ihre Arbeitswelt erleben, vor allem, welchen Unterschied sie in der Art, wie die Deutschen leben zu der  ihrer eigenen Landsleuten empfinden.

Wir stellen ihnen heute zwei Ausländer vor,  die beide in der Schoppenstube des Münchner Ratskellers arbeiten:  Elfriede Berschl und Zanaty M. Zanaty. 

 

Elfriede Berschl  ist Oberästerreicherin aus Waldzell im Innviertel. Vor die Frage gestellt, ob sie sich als Friseuse oder Fotografin ausbilden lassen sollte, entschied sie sich für den Beruf der Fotografin, machte eine Lehre. Doch sie erkannte bald, daß ihr dieser Beruf nicht lag, die Begeisterung dafür fehlte, die erforderlich gewesen wäre, sich hochzuarbeiten. Anschließend arbeitete sie als Postbeamtin, kündigte aber dieses Arbeitsverhältnis, weil sich ihr die Möglichkeit bot, in einem Cafe zu arbeiten, womit sie sich auch einen Teenagertraum erfüllte. Doch das Leben hatte sie inzwischen in eine Ehe geführt, sie hatte ein Kind geboren, das heute, nachdem die Ehe geschieden ist, bei seinem Vater lebt. Zu allem Unglück kam ein Autounfall dazu, bei dem sie Brustkorbquetschungen erlitt, die sie drei Monate aufs Krankenlager warf. Weil das Leben weitergehen mußte,  dazu Geld erforderlich war, beschloß sie nach Bayern zu gehen, sich um eine Arbeit umzusehen.  Sie fand sie  in der Fränkischen Weinstube unter dem  Neuen  Münchner  Rathaus,  wo sie  seit  dem  Oktober  des   vorigen Jahres tätig ist. Aus dieser Tätigkeit, die wie jeder Gast beobachten kann, sie mit Liebenswürdigkeit und Geschicklichkeit zur Zufriedenheit der Gäste ausführt, erwuchs bei ihr der Wunsch, ein eigenes Weinlokal führen zu können. In ihrer Freizeit sucht sie, der als Oberösterreicherin die Schönheit der Natur in der grandiosen Alpenwelt gewissermaßen in die Wiege gelegt worden ist, die Schönheit der Natur durch Wandern und Radeln in ihrer gegenwärtigen Umgebung zu erschließen. Im Süden Münchens findet sie im Fünfseenland eine Fundgrube an Naturschönheiten und Kulturgüter.

 

In der Schoppenstube arbeitet sie heute mit Zanaty M. Zanaty zusammen. Er stammt aus Kairo in  Ägypten. Er ist gelernter Automechaniker,  hatte den Ingenieurabschluss angestrebt, aber nicht zu Ende geführt. Weil er im väterlichen Cafe mitarbeitete, spürte er, daß für ihn der Hotelfachmann der geeignete Beruf wäre; deshalb wollte er eine Hotelfachschule besuchen. Doch dagegen sträubte sich sein Vater, der in diesem Beruf keine Chance für die Zukunft sah. Unbekümmert  darum  besuchte  Zanaty eine private Hotelfachschule, die er aus eigenen Ersparnissen finanzierte.  Einer  seiner  Lehrer  bot  ihm  in den achtziger Jahren an, in seinem Restaurant  mitzuarbeiten;  er  lernte dort auch, was ein Barkeeper können muß.  Anschließend erhielt er durch eben diesen Lehrer auch die Gelegenheit als  Barkeeper  an  einer Kreuzfahrt  teilzunehmen. Er nahm an,  wurde als  Barchef eingesetzt,  kündigte aber, al sich herausstellte daß der Schiffseigner  nicht  in  der  Lage war, die Löhne auszuzahlen. Nun ging er wieder nach Kairo zurück und  lernte  dort  Französisch.  Seine Reiselust ließ  ihn  dann  auf  einem  anderen Schiff als Somelier anheuern.  Bei dieser Gelegenheit lernte er

 einen Gast kennen, der Hotelier einer Hotelkette war. Dieser bot ihm die Stelle eines Chef de rang an. So zog  er ins Europa  ein. Nachdem diese Tätigkeit abgelaufen war, fand man ihn im Ratskeller beschäftigt. Als man ihn bat, im Lenbach Restaurant auszuhelfen tat  er das. Seiner gewachsenen Reislust zufolge, plante und bereitete er eine weitere Reise vor, half aber wiederum im Ratskeller aus. Es muß ihm dort etwas oder jemand so gefallen haben, daß er die Reise ins Wasser fallen ließ. So finden wir ihn heut frohgemut in der Schoppenstube, wo Oberösterreich und  Ägypten eine kleine Völkervereinigung demonstrieren.  Zum  Beruf bekennen  beide,  daß sie ihn lieben.  Fragt man sie nach ihren  Eindrücken  über München, über die  Gäste  und  die  Deutschen  im allgemeinen erfährt man von Elfriede Berschl, daß sie z. B. die deutschen Gäste anspruchsvoller findet als die Österreichischen, weil den Deutschen  das  Flair  österreicherische Gemütlichkeit fehlt.  Mit ihren  Kolleginnen und Kollegen in den Schoppenstuben kann man mit Ausnahmen,  findet sie,  gut zusammenarbeiten. Zanaty pflichtet  seiner Kollegin im großen und ganzen bei. An Stelle der Österreichischen Gemütlichkeit  jedoch  weist  er  auf  die  große Gastfreundschaft hin, die in seiner Heimat vorzufinden ist.