Jay WOODMAN

(Großbritannien)

 

 

 

Ein Ahorn für meine Mutter

 

Am fünften Juli

kommt meine Mutter,

und Du kommst näher

in meinen Gedanken,

sanft, wie ein Gemälde

einer blassen Dame,

die unter einem japanischen Ahorn steht.

Schwarzes Haar, weißes  Hut, rote Blätter.

 

Und was

soll ich mit solchen Vorstellungen tun?

Dir deinen Brief schreiben?

Ein Photo von Dir

zu Deinem Geburtstag schicken?

Nichts von beidem kann uns

einander näher bringen.

 

So gehe stattdessen

still

in den Garten

und stelle Dich unter den Ahorn,

bis seine roten Adern sich

mit den Deinen verbinden

und ich meinen Kuß auf Deine Wange

pflanze.

 

(Aus "Terra Affirmative")

 

 

 

Geraubt!

 

Jemand stahl sich in unseren Garten,

grub kleine Nadelbäume aus,

ließ uns Erdlöcher zurück,

in die wir hineinstarren konnten.

 

Wir glaubten, wir hätten nichts,

was wert war, gestohlen zu werden -

alles zweiter Hand gekauft.

Ich weiß nicht, wo diese Bäume hinkamen.

 

Wissen ihre Eltern im Wald,

daß sie weggeschafft worden waren?

Haben sie von ihren fernen Söhnen gehört?

 

Ich kann es nicht vergessen.

ich starre in die Gesichter der Vorbeigehenden

Und behalte meine Kinder in der Nähe.

 

Aus "Bäume"

 

 

 

Treue

 

Wenn ich dürfte,

würde ich

Bäume an die Wände malen.

 

Sie bevölkern das Ende

Meiner Sichtweite

Sie kratzen an den Türen.

 

Wenn ich dürfte,

würde ich

die Tiere hereinlassen.

 

 

 

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Jay WOODMAN: geboren in Natal, Südafrika, hat sich in North Yorkshire (Gbrit.) niedergelassen. Verheiratet, 2 Sähne. Herausgeberin der Literaturzeitung "Rustic Rub" und des Verlags "Woodmans Press".

Bücher: "Following Father", 1994, "Riding the Excalator", 1995, "Terra Affirmative", 1995, "Trees", in Planung.